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Donnerstag, 16. September 2010

Öffentlichkeit, Transparenz und seltsame Schleifen

Jeff Jarvis neben Thilo Weichert war Gast der Grünen in Berlin zur Netzpolitischen Soirée am 10. Sept. 2010: Freiheit und Überwachung in der digitalen Welt. Eine Kombination mit unterschiedlichen Ansichten und einer unterhaltsamen Dynamik. Ein paar Zitate aus Jeffs Post über die Veranstaltung:
"Maybe the problem is the concept of the public and the idea of control over the public. Künast is talking about controlling ownership and use of what is public. Weichert’s talking about limiting what’s public in public; he gets mad at me mocking the German movement toward a “Verpixelungsrecht” — a right to be pixelated, even for buildings! Weichert says we should all default to private and I ask whether we should default to public. I think that publicness is defined by openness and a lack of restriction. When you diminish what’s public you take from us, the public. For we own what’s public."



"At the start of the evening, Künast says that “freedom can comprise anonymity.” Yes, but freedom also comprises publicness. Publicness may be our highest right of freedom — to stand up and say what we think and be who we are and join together and act without fear of oppression. Surely, that should resonate here. That is just the sort of balancing discussion we must have so people know they have a choice and protect that choice. We need to protect their right to be private. But we also must protect the rights of the public.
I challenge Künast — who, rumor has it, may next become the mayor of Berlin (she says nothing) — to make the city a model of openness, a monument to the public and I suggest that her party should call a conference to begin discussion of our rights. Just make it our discussion."



Jeff Jarvis ist ein wichtiger Anwalt für das offene Netz. Ich verdanke ihm viele klare Argumente und  die Idee für WWDG?-Sessions und es gut, wenn er zu Diskussion und Gesprächen nach Deutschland kommt. Wir haben noch einiges zu diskutieren, um den Wert und die Möglichkeiten eines offenen Netzes zu schätzen. Zur Zeit verbinden sich gegensätzliche Motive zu seltsamen Schleifen: Mit dem Argument, die Privatsphäre schützen zu wollen, wird versucht öffentlicher Nutzen wieder zu privatisieren, kreative Freiräume zu kontrollieren. Das freie Internet ist eine der relevantesten Innovationen der vergangenen hundert Jahre. Es hat mehr soziale und technische Innovationen befördert, mehr zur inter-kulturellen Kommunikation und zur Aus- und Fortbildung weltweit beigetragen als alle politischen Initiativen der vergangenen Jahrzehnte. Sicher, das Netz hat uns neue Plagen und Belästigungen, Sicherheitsrisiken und Unbequemlichkeiten eingebracht und wir müssen lernen damit umzugehen - aber das offen, vorwärts gewandt und nicht ängstlich, beschränkend und vorschreibend. Nicht alle die vorgeben uns schützen zu wollen, wollen uns schützen. Die positiven Effekte entstehen nur, wenn das Netz offen ist. Es ist gut, dass es öffentlich ist. 

Sonntag, 22. November 2009

Sie werden mir fehlen! Deutsche Bücher in Google Books



Ich liebe Bücher. Ich liebe es, auf Deutsch zu lesen. Also sollte ich zu frieden sein, mit dem heroischen Sieg der Lobbyorganisationen deutscher Autoren, der Verlage und des Buchhandels. Google streicht die Segel – oder verzichtet auf Bücher aus Deutschland. Da ist „Licht und Schatten“ sprach Dr. Gottfried Honnefelder vom Börsenverein des deutschen Buchhandels. Da ist es sehr dunkel meine ich. Sie werden mir fehlen, die deutschsprachigen Bücher in Google Books. Gerade eben haben wir uns begeistert angewöhnt mittels der Buchsuche zu entdecken, was im unüberschaubaren Buchmarkt völlig dem Blick des einsamen Lesers entging. Mir wurden so Texte zugänglich, die es nicht mehr oder nur überteuert als Sammlerexemplare zu kaufen gibt. Aber viel wichtiger, ich habe Bücher gefunden, die ich nicht kannte, in keinem meiner Buchladen fand, deren Titel mich nicht motivierte, deren Autoren mir nichts sagten – und allein Google Books brachte sie mir nahe. So werden Bücher gekauft, die der Buchhandel gar nicht mehr vorstellt. So erreichen Verlage Umsätze, die sie ohne vernetzte Welt kaum realisierten. So gewinnen Autoren Namen und Bekanntheit, die im herkömmlichen Betrieb nie wahrgenommen werden.
Das Umfeld ändert sich, das Verhalten folgt und wer etabliert im Teich sitzt, freut sich nicht, Er sieht wie das Wasser abgelassen wird und leidet erstarrt am drohenden Verlust – und das solange, so fokussiert – bis eingetreten ist, was er befürchtet. Dabei vollzieht sich nicht der Untergang deutscher Buchkultur, sondern die Regeln werden neugerückt. Es trifft die großen und mittleren Verlage, Rechteinhaber und Handelsketten, (die bräuchten die nur etwas Fantasie und Mut zu erweiterten Geschäftsmodellen zu entwickeln). Das erklärt die starken und anachronistisch anmutenden Lobbykämpfe aus dieser Ecke. Die kleinen und speziellen Akteure sind durch dieses Spiel nicht in ihrer Existenz bedroht, sie leiden schon länger unter der Marktkonzentration und dem Blockbustergebahren der Handelsketten. Sie mussten schon länger kreative Lösungen bauen, Engagement und Dialog entfachen. Die Entwicklung und Struktur des offenen Netzes, der Druck auf die Rechtepraxis kann und wird sich aus meiner Sicht ein zentraler und wesentlicher Beitrag zum Erhalt und zur Entwicklung der deutschen Buchkultur werden. Wir wollen, wir brauchen die Vielfalt der kleinen Verlage, die Stimmen und Argumente der Autoren. Wir benötigen weniger die Kurzfristkalkulationen der Literatur- und Fachwissenskonzerne, sie sind mehr Verhinderer als Opfer. Die Google Buchsuche ist ein Beitrag in diese Richtung. Die jetzt getroffene Vereinbarung ist in diesem Sinne ein schlechtes Ergebnis und damit ein Rückschlag für die deutschsprachige Buchkultur.

Zitat: Gottfried Honnefelder: "Was ein Erfolg ist, ist die Tatsache, dass es für unser Rechtsempfinden unerträglich war, dass von Gerichts wegen in den Vereinigten Staaten darüber befunden wird, wie deutschsprachige Bücher urheberrechtlich behandelt werden. Das ist nun weg. Nur ein Erfolg im Sinne der Entwicklung, die mit diesem Google Settlement sich vollzieht, ist es natürlich nicht. Denn der Markt, den Google dort bedient, wird nun weitergehen, ohne dass er die europäischen Sprachen außer dem Englischen mit einschließt, und entwickelt sich einfach weiter. Man kann also daneben stehen nun und ist nicht mehr mit erfasst und fragt sich vielleicht zu Recht: Ist das nun gut oder ist das nicht gut?" (Quelle: dradio.de)

Montag, 21. September 2009

atoms + bits Festival -18.-27.September 09



Das a&b Festival
ist ein dezentrales Event, das sich über 10 Tage erstreckt (18.-27.Sept). Einzelne Veranstaltungen finden an verschiedenen Orten von Berlin bis Brooklyn, von München bis Montreal - und ganz klar - in Stuttgart statt. (1) Der stuttgartsalon am 24.09.2009 ist ein atoms&bits Event - Neue Kultur der Offenheit! Als exploratives Format auf der Suche nach Fragen und Themen, die verknüpft neue Ansätze bieten, schafft der stuttgartsalon die Basis für Innovation. Thema: "IM ZWISCHEN - zwischen Menschen und Gebäuden - der öffentliche, der soziale Raum". (2) WWGD?-Session 5 (What Would Google Do?) am 25.September 09 bei uns im Schrödinger Haus zum Thema: Innovation durch Engagement (als Vorlauf auf das csr|camp am 17.November 09)

Sonntag, 2. August 2009

ZwischenReport - WWGD?-Session 4 - Newlearning

Die 4.WWGD?-Session zu Newlearning und Freshly Blended entwickelte intensive Gespräche (wie erwartet), triggerte ein ganzes Bündel experimenteller Ideen und ergänzender Themen, die es zu erkunden galt und noch gilt. So verlängert sich die 4.Session in die WWGD?-Session 4b am 15. August 09 und damit der ThemenReport dazu auch.

Als Intermezzo, hier 2 TED-Talks zum Thema und Kays Thesen zu Freshly Blended 2.0.

Gever Tulley teaches life lessons through tinkering
Gever Tulley uses engaging photos and footage to demonstrate the valuable lessons kids learn at his Tinkering School. When given tools, materials and guidance, these young imaginations run wild and creative problem-solving takes over to build unique boats, bridges and even a rollercoaster!





Ken Robinson says schools kill creativity
Sir Ken Robinson makes an entertaining and profoundly moving case for creating an education system that nurtures (rather than undermines) creativity.


Mittwoch, 8. Juli 2009

4.What Would Google Do?-Session am 19. Juli 2009

Neues Lernen: Elegante Organisation, Zusammenarbeit und Links“ bildet den Fokus für die 4. WWGD?-Session am 19.Juli 2009. Das Thema steht markiert auf meiner Agenda. Die 4.Session ist nun eine gute Gelegenheit Jeffs „What Would Google Do?“-Brille diesem Thema und einem Tisch kreativer Geister aufzusetzen - Ideen vernetzen, Modelle entdecken und Verbindungen herstellen. Kay von curious minds® stellt mit die erweiterten Freshly Blended 2.0-Thesen als Intro vor. Neben Jeff Jarvis will ich ein paar Eckpunkte von George Siemens, die „6 Aibilities“ von Dan Pink und Clay Shirkys „Here Comes Everybody“-Ideen dazumischen. Hintergrund: Im Curious Minds®-Team provoziert uns das Gap zwischen den schönen Worten vom „neuem Lernen“ und der gelebten, überstrukturiert und überkontrolliert Praxis schon länger. Gutgemeinte Lernprogramme und didaktisch aufgeräumte Lernumgebungen schaffen die Illusion unbedingter Wahrheiten – und ignorieren so leicht die Bedingungen und Verwirrungen der sozialen und wirtschaftlichen Realitäten. Versteckt hinter abstrakten, verkomplizierenden Konzepten entmündigen und demotivieren wir mehr, fördern falsche Gewissheit und Gedankenlosigkeit. Es bleibt wenig Platz Fähigkeiten, sich in einer dynamischen Welt zu orientieren zu entwickeln und die Lust am Zusammenarbeiten und Entdecken zu entwickeln. Neben vielen Eitelkeiten leiden wir deshalb vor allem unter einem Mangel an konzeptioneller Intelligenz und hier sind wir wieder bei der 4.WWGD-Session und der Suche nach Eleganz.




Mittwoch, 24. Juni 2009

WWGD?-Session 3: Bunte Aussichten!

Die 3. WWGD?-Session entwickelte sich überraschend. Sie uferte aus, verteilte ich über Tage und Wochen, Stuttgart und Berlin, forderte "Ausfallschritte". Google Wave, Twitter und iranische Realitäten, Clay Shirky, eine kleine, inoffizielle Umfrage und 12 umfangreichere Interviews verlängerte unsere 3h-Session auf 3 Wochen. Ergebnis:Einsichten, Aussichten und Ansichten. Es gibt viel zu entdecken, zu lernen und neu zu bewerten. Es sind viele Fragen neu und offen. Ingvar Kamprad, IKEA meinte einst: Wundervolle Zukunft! Das meiste ist noch nicht getan! Das gilt heute mehr den je!









Teil 3-1: Google Wave und seine Möglichkeiten bewegte und begeisterte uns am 05.Juni in Stuttgart - und füllte die Themenliste, so dass wir die Session verlängerten und Teil 3-2 am Rande der DMMK in Berlin fortsetzten.

Clay Shirky
war als Keynote Speaker des DMMK 09 anwesend, wir nutzten das frech und integrierten ihn freudig in unsere Session. Clay wies auf die "kleinen Dinge" hin, lieferte wunderschöne Argumente und überzeugte uns, dass sich die "Dinge" radikaler, aber oft unmerklicher ändern als gedacht: Der gekochte Frosch_Effekt! Gemeinsam haben wir dann verschiedene Perspektiven ausprobiert - mit dem Ziel dadurch rascher Chancen und Möglichkeiten einer Idee und eines Projektes darstellbar oder besser vorstellbar zu machen. Die Resultate stelle ich in den SommerPosts vor. Ebenfalls an der DMMK startete ich eine kleine, inoffizielle Umfrage zu Google Wave. Knapp 40 Gesprächspartner; 38 Keine Ahnung, 1 Zufallstreffer, 1 Wave-Versteher. Aber das ist ein eigenes Post wert: über Domainenverhaftung und eben - langsam garende Frösche! Nach Berlin folgte in Stuttgart Teil 3-3 der Session - und am Ende - mitten im Gespräch - wussten wir einen Haufen Ideen, Fragen und Aussichten mehr. Was folgt jetzt? In den nächsten Wochen weitere Kommentare zur Session3, weitere WWGD-Sessions hier und dort, live und im Web, weLabs mit unterschiedlichsten Partnern, über unterschiedlichste Grenzen hinweg und zu vielfältigsten Fragen. Dann weiter bloggen, remixen und mitmischen, lernen, teilen, sich inspirieren, zu hören, ausreden, neuerfinden, ausprobieren…